Surfboards & Ausrüstung
Surfboard-Typen im Überblick: Vom Softboard bis zum Gun

Wer im Surfshop steht, sieht zuerst Länge und Preis. Beides sagt wenig darüber aus, ob das Board zu dir passt. Entscheidend ist der Typ — die Grundform, aus der sich Auftrieb, Drehfreude und das Verhalten in der Welle ergeben.
Dieser Überblick ordnet die gängigen Typen ein: wofür sie gebaut sind, was sie gut können und was nicht. Wenn du danach weißt, welcher Typ es wird, findest du die passende Größe im Beitrag zur Surfboard-Größe und die Erklärung der Literangaben unter Surfboard-Volumen.
Das Wichtigste in Kürze
- Softboard — der Einstieg. Weiche Oberfläche, viel Auftrieb, verzeihend.
- Longboard — ab 9 Fuß. Fängt jede Welle, gleitet ruhig, dreht träge.
- Funboard / Malibu — die Mitte zwischen Longboard und Shortboard.
- Fish — kurz und breit, für kleine, kraftlose Wellen.
- Shortboard — wendig und anspruchsvoll, braucht saubere, steile Wellen.
- Gun — schmal und lang, ausschließlich für große Wellen.
Die Reihenfolge ist kein Ranking. Ein Longboard ist kein Anfängerboard, das man später „ablegt“ — es ist eine eigene Art zu surfen.
Softboard
Die Deckschicht besteht aus Schaum statt aus lackiertem Harz. Das klingt nach Kompromiss, ist aber der Grund, warum praktisch jede Surfschule damit arbeitet: Ein Softboard, das dich am Kopf trifft, tut deutlich weniger weh als eine harte Kante — und in den ersten Sessions triffst du dich regelmäßig selbst.
Dazu kommt sehr viel Volumen. Das Board trägt dich, du liegst hoch im Wasser, das Paddeln ist leichter und der Take-off gelingt früher.
Wofür: die ersten Wochen, Weißwasser, kleine Wellen. Grenzen: Auf einer steilen, sauberen Welle wird ein Softboard schnell unpräzise. Wer regelmäßig grüne Wellen surft, wächst heraus.
Softboards sind außerdem das, was man an einem Reiseziel ohne eigenes Board mietet — und ein brauchbarer Zweitgriff für kleine, chaotische Tage, an denen ein empfindliches Board nur Kratzer sammelt.
Longboard
Ab etwa neun Fuß Länge, mit runder Nose und großem Volumen. Ein Longboard hat so viel Auftriebsfläche, dass es Wellen aufnimmt, bei denen ein Shortboard noch gar nichts täte — auch kleine, weiche, langsam anrollende.
Das Fahrgefühl ist ein anderes: lange Linien, ruhige Gewichtsverlagerung, Schritte nach vorn auf dem Deck. Das eigene Repertoire — Noseriding, Cross-Stepping — hat mit dem, was auf einem Shortboard passiert, wenig gemein.
Wofür: kleine bis mittlere, langsame Wellen; ein Stil, der auf Fluss statt auf Radikalität zielt. Grenzen: träge in engen Turns, unhandlich beim Rauspaddeln durch brechende Wellen — ein Duck Dive ist mit einem Longboard nicht möglich, man weicht auf den Turtle Roll aus. Transport und Lagerung wollen bedacht sein.
Wie sich Longboard und Shortboard im direkten Vergleich unterscheiden, steht ausführlich unter Shortboard vs. Longboard.
Zum Kaufen: Ein echtes Longboard ab neun Fuß findet man im Versandhandel praktisch nicht — das Sperrgut allein macht den Versand unwirtschaftlich. Longboards kommen aus dem Surfshop oder vom Shaper, und das hat einen zweiten Vorteil: Bei dieser Länge lohnt es sich, vorher eins gefahren zu sein. Was sich online besorgen lässt, ist die Stufe darunter — das Mini-Malibu.
Funboard / Malibu
Zwischen etwa sieben und acht Fuß, oft auch Mini-Malibu genannt. Der Typ nimmt vom Longboard das Volumen und die Gutmütigkeit und vom Shortboard einen Teil der Wendigkeit.
Für viele ist das der zweite Schritt: Das Softboard trägt nicht mehr, das Shortboard trägt noch nicht. Ein Funboard überbrückt genau diese Phase — und bleibt danach oft als Board für kleine Tage im Regal.
Wofür: Fortschritt vom Weißwasser zur grünen Welle; kleine bis mittlere Bedingungen. Grenzen: Es ist ein Kompromiss, und das merkt man an beiden Enden. Weder gleitet es wie ein Longboard, noch dreht es wie ein Shortboard.
Fish
Kurz, breit, mit gespaltenem Heck — dem namensgebenden Schwalbenschwanz. Ein Fish hat auf wenig Länge viel Fläche und damit viel Auftrieb, ohne die Länge eines Funboards.
Das macht es zur Antwort auf eine bestimmte Bedingung: kleine, kraftlose, weiche Wellen, in denen ein Shortboard absäuft. Der Fish nimmt Geschwindigkeit auf, wo eigentlich keine ist.
Wofür: sommerliche Kleinwellen-Tage, weiche Beachbreaks. Grenzen: In steilen, kraftvollen Wellen wird die Breite zum Problem — das Board will nicht so eng um die Kurve, wie die Welle es verlangt.
Ein Fish ist selten das einzige Board. Er ist meist das zweite, gekauft, weil das erste bei kleinen Bedingungen nicht mehr funktioniert.
Shortboard
Unter etwa sechs Fuß und sechs Zoll, schmal, mit spitzer Nose und ausgeprägtem Rocker — der Aufbiegung von Nose und Tail. Genau dieser Rocker erlaubt es, in einer steilen Welle die Kurve zu fahren, ohne dass die Nose einsticht. Er kostet zugleich Gleitfähigkeit, weshalb ein Shortboard auf flachem Wasser mühsam paddelt.
Das ist das Board, das man in Wettkampfvideos sieht, und deshalb das, was viele zu früh kaufen. Wenig Volumen heißt: Du liegst tief im Wasser, musst mehr paddeln, hast ein kürzeres Zeitfenster für den Take-off und brauchst eine Welle, die steil genug bricht.
Wofür: saubere, steile Wellen ab etwa Brusthöhe; Turns, Airs, enge Linien. Grenzen: an kleinen oder weichen Tagen praktisch unbrauchbar. Verzeiht keinen ungenauen Take-off.
Zum Kaufen: Was online unter „Shortboard“ angeboten wird, ist meist ein Hybrid — die kurze Grundform, aber mit mehr Volumen und weicherem Rocker. Für die meisten ist genau das die bessere Wahl; ein echtes Performance-Shortboard wird auf den Fahrer abgestimmt.
Die häufigste Fehlentscheidung beim Boardkauf ist nicht die falsche Länge, sondern der zu frühe Wechsel aufs Shortboard. Wer zu wenig Volumen unter sich hat, fängt weniger Wellen — und wer weniger Wellen fängt, wird langsamer besser.
Gun
Lang, schmal, mit spitzen Enden. Ein Gun ist für eine einzige Situation gebaut: sehr große Wellen, die sehr schnell laufen. Die Länge liefert die Paddelgeschwindigkeit, um den Take-off überhaupt zu erwischen, die schmale Form die Spurtreue auf einer steilen Wand.
Wofür: Big-Wave-Spots. Grenzen: alles andere.
Für die allermeisten bleibt der Gun eine Kategorie, die man kennt, ohne sie je zu besitzen. Er steht hier der Vollständigkeit halber — und weil er zeigt, wie weit das Prinzip trägt: Jede Form ist die Antwort auf eine bestimmte Welle.
Zum Kaufen: gar nicht — jedenfalls nicht von der Stange. Guns werden beim Shaper bestellt und auf Größe, Gewicht und den Spot abgestimmt, für den sie gedacht sind. Wer an dem Punkt ist, an dem ein Gun infrage kommt, kauft ihn nicht online.
Wie du dich entscheidest
Drei Fragen führen meistens zum Ziel:
- In welchen Wellen surfst du tatsächlich? Nicht in welchen du gern würdest. Wer an der Nord- oder Ostsee surft, braucht ein Board für kleine, weiche Wellen — dort ist ein Shortboard die falsche Antwort, egal wie gut jemand surft.
- Wie viele Wellen fängst du pro Session? Sind es sehr wenige, ist das Volumen zu klein. Mehr Auftrieb bringt mehr Wellen, und mehr Wellen bringen Fortschritt.
- Was willst du auf der Welle machen? Lange, ruhige Linien führen zum Longboard. Enge Turns führen zum Shortboard. Beides ist ein gültiges Ziel.
Was du nicht brauchst, ist das Board, mit dem jemand anders gut aussieht. Der Typ folgt aus deinen Bedingungen und deinem Level, nicht aus dem Vorbild.
Steht der Typ fest, geht es an die Maße. Länge, Breite und Dicke ergeben zusammen das Volumen — und das ist die Zahl, die wirklich zählt. Wie du sie für dich bestimmst, steht unter Surfboard-Volumen verstehen.
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